Unbekannte Ansel-Adams-Negative aufgetaucht?
Jul 28th, 2010 | By Stefan Hartmann | Category: FEATURED NEWS, NEWSEin Flohmarktfund sorgt für Wirbel in der Welt der Fotokunstliebhaber und Fotografiesammler: Bislang unbekannte Aufnahmen von Ansel Adams sollen aufgetaucht zu sein. Wenn dies denn so wäre, käme es einer Sensation gleich, fast so, wie wenn ein Text-Fragment von Kafka oder ein Blatt einer verschollenen Sonate von Beethoven entdeckt worden wäre. Denn Ansel Adams (1902 bis 1984) ist einer der größten Namen seiner Zunft, der vielleicht bekannteste Fotograf der USA.
Besondere Publikumswirksamkeit erreichten seine brillanten Landschaftsaufnahmen, seine Bilder von amerikanischen Nationalparks – von Yellowstone, Yosemite und den Rocky Mountains - zählen quasi zum kollektiven Gedächtnis der Amerikaner.
Die Story mit den Negativen ist eigentlich ganz simpel und schnell erzählt: Ein Kalifornier kaufte nach einem Gang über einen Flohmarkt zwei Kistchen mit alten Fotografien, besser gesagt: 65 Glasplatten. Einfach, weil sie ihm gefielen. Er investierte 45 Dollar. Bei einer Sichtung seines Schatzes im Freundes- und Familienkreis tauchte die Vermutung auf: Die Aufnahmen erinnern an die Arbeiten des großen Ansel Adams.
Rick Norsigian, ein bis dahin mit Fotografie nicht sonderlich vertrauter Maler, ging der Sache nach und glaubt nun auch, die Geschichte der 65 Negative nachverfolgen zu können. Entstanden seien sie zwischen 1919 und den frühen Dreißigerjahren, eingeschlagen waren die Platten in Zeitungen aus den Jahren 1942 bis 1945, laut graphologischem Gutachten angeblich beschriftet von Virginia Adams, der Frau der Fotografen.
Auch ein Metereologe wurde bemüht, der ein nachweisliches Adams-Original einer Landschaftsaufnahme mit einem von Norsigians Negativen verglich und nach der Analyse von Wolkenformationen, der Schneehöhe und dem Schattenwurf eines Baumes bestätigte, dass die Bilder am gleichen Tag, fast zur selben Zeit, aufgenommen wurden. Die Indizien wirken also durchaus überzeugend.
Die entscheidende Frage aber ist: Wie konnten diese Fotos auf einem Garage Sale landen?
Norsigan verweist auf einen Brand im Atelier Adams im Jahr 1937, bei dem mehr als 5.000 Negative – damit ein Drittel der frühen Werke Adams – verloren gingen. Sein Konvolut sei ein bislang unbekanntes Überbleibsel aus jener Zeit.
Allerdings: Der letzte hieb- und stichfeste Beweis, dass die Platten tatsächlich von Ansel Adams angefertigt wurden, fehlt. Denn im Gegensatz zu Zeichnungen und Gemälden sind Foto-Negative eben nicht signiert. Ihre Echtheit kann letztlich nur durch kunsthistorische Gutachten oder – besser noch – durch eine lückenlose Dokumentation der Werkgeschichte und des Verbleibs der Negative belegt werden. Und da hapert es eben.
Wären es nachweisbar Originale des Fotografen, so behauptet der US-Sender CNN, läge der finanzielle Wert der Negative bei rund 200 Millionen Dollar. Denn bereits Abzüge von Ansel Adams-Bildern werden auf der Höhe von über 500.000 Euro gehandelt.
Damit wäre die Geschichte der verschwundenen und wiedergefundenen Negative nicht nur eine glückliche Geschichte der Fotografie-Historie, sondern auch eine Geschichte von wunderbarem, unverhofftem Reichtum eines glücklichen Finders. Denn gerade läuft über die David Streets Gallery (Berverly Hills) der Handel an.


