Der deutsche Bildmarkt inklusive der Fotografen untersucht

  • image market 2020 – structure and perspectives

    Erstmals beteiligte sich an der jährlichen Erhebung der Arbeitsgruppe „image market – business trends“ zum deutschen Bildermarkt neben den Bildagenturen auch die Seite der Fotografen. Das unter der wissenschaftlichen Leitung von Lars Bauernschmitt, Professor an der Hochschule Hannover, stehende Forschungs-Projekt 2020 liefert so einen deutlich weiteren Horizont als die beiden bisherigen Untersuchungen: insbesondere auch mit Blick auf die Zusammenarbeit von Fotografen und Bildagenturen.

    Prof. Bauernschmitt stellt einige Ergebnisse hier - vorbereitend - vor. In der nächsten Woche werden wir dann in einem Interview auf die Studie näher eingehen und die Resultate in einem Gespräch diskutieren.
    • "Qualität und Kontinuität
    Dabei scheinen sowohl Bildagenturen als auch Fotograf*innen auf Qualität und Kontinuität zu setzen. Während alle befragten Mitgliedsagenturen des BVPA die angebotene Bildmenge vergrößern wollen, planen 54,5% von ihnen dazu eine Anhebung der Anzahl vertretener Fotograf*innen und 44,4% eine Vergrößerung der Anzahl der vertretenen Partneragenturen. Von den befragten professionellen Fotograf*innen, arbeitet rund die Hälfte mit einer Bildagentur zusammen, von denen zwei Drittel diese Kooperationen nicht verändern möchten und rund ein Viertel diese Zusammenarbeit sogar noch ausbauen möchten. Einen Wechsel der Agenturen planen nur wenige Fotograf*innen. 93,8% der weiblichen und 80,7% der männlichen hauptberuflich tätigen Fotograf*innen, die mit einer Bildagentur zusammenarbeiten, planen dagegen keinen Wechsel der Agenturvertretung. Umgekehrt planen drei Viertel derjenigen, die derzeit nicht mit einer Bildagentur zusammenarbeiten, dies auch für die Zukunft nicht. Eine Selbstvermarktung über Plattformen spielt dabei für die Fotograf*innen keine Rolle. Lediglich 6,7% der weiblichen und 13,1% der männlichen Fotograf*innen nutzen diese Art der Bildvermarktung, die auch nur knapp 10% der Befragten, die diese Möglichkeit bisher nicht nutzen, in den nächsten zwei Jahren beginnen wollen. Amateure spielen für die Mitgliedsagenturen des BVPA als Lieferant*innen mehrheitlich kaum eine Rolle, vermutlich auch, weil die befragten Bildagenturen Qualitätsunterschiede zwischen professionellen Fotograf*innen und Amateur*innen sehen, und zwei Drittel der befragten BVPA-Agenturen bei ihren Kund*innen einen Wunsch nach Qualität feststellen.

    • Digitalisierung
    Gefragt nach den Auswirkungen der Digitalisierung stellen drei Viertel der befragten BVPA-Agenturen eine bessere Sichtbarkeit ihres Bildangebotes fest, während die finanziellen Auswirkungen sehr unterschiedlich bewertet werden. Während Fotograf*innen, bereits in den 1980er Jahren tätig wurden und heute Ende 50 sind, infolge der Digitalisierung eine schlechtere finanzielle Situation feststellen, beurteilen Fotograf*innen, die erst in den 1990er Jahren ihre Berufstätigkeit begannen, die Digitalisierung eher positiv. Fotografinnen nutzen mit 93,9% deutlich häufiger und mehr soziale Netzwerke als ihre männlichen Kollegen (82,1%). Im Mittel bedienen Fotografinnen 3,8 soziale Netzwerke, Fotografen dagegen nur 3,5. Darüber hinaus scheint ein Zusammenhang zwischen einer hohen Social Media Präsenz und höheren Umsätzen zu bestehen.

    • Männlich geprägte Branche – Frauen holen auf
    Die Ergebnisse der Erhebung belegen die männliche Dominanz des Berufsfeldes. Unter den Befragten befanden sich 84,4% hauptberuflich tätige Fotografen gegenüber 15,6% hauptberuflich tätigen Fotografinnen. Doch in diesem Berufsfeld deutet sich ein Umbruch an. Bezogen auf diese Erhebung ist im Laufe der Jahre ein Anwachsen des Anteils von Fotografinnen gegenüber dem Anteil der Fotografen feststellbar. Ein deutlicher Unterschied in der Höhe der erzielten Nettojahresumsätze zeigt sich zwischen Fotografinnen und Fotografen. Erzielten hauptberuflich tätige Fotografinnen 2019 im Mittel einen Jahresumsatz von 25.628 Euro, lag dieser bei den Fotografen bei 53.436 Euro. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang die erheblich größere Differenz in den Nettojahresumsätzen unter den männlichen Fotografen im Vergleich zur Gruppe der Fotografinnen, deren Honorarsituation dagegen sehr viel homogener ist. Die erheblichen Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern sind so unter anderem auch durch wenige männliche Spitzenverdiener zu erklären, die das Gesamtbild beeinflussen. Mit Blick auf die Honorarentwicklung der letzten drei Jahre ist eine Annäherung der erzielten Netto-Honorare von Fotografinnen (steigende durchschnittliche Honorare) und Fotografen (sinkende durchschnittliche Honorare) zu beobachten. Dabei erwarten beide Gruppen eine Fortsetzung des Trends. Während hauptberuflich tätige Fotografinnen mehrheitlich steigende Honorare erwarten, rechnen männliche Kollegen mit stagnierenden oder sinkenden Honoraren."

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